Mit Google Chrome 16 mehrere User-Profile verwalten

User-Profile – na also, das ist doch mal ein schönes neues Feature.

Mit der neuen Version 16 des Webbrowsers Google Chrome ist es möglich, mehrere User-Profile einzurichten und leicht ohne Neustart zwischen ihnen zu wechseln. „Profil“ hört sich zunächst vielleicht etwas verwirrend an, denn schnell denkt man an das User-Profil auf einem Computer, das man verwendet, wenn man sich mit seinem Benutzernamen an Windows, KDE, Mac OS X etc. einloggt.

Warum dann noch seinen Browser mit mehreren Benutzern teilen?

Das Verständnis wird leichter, wenn man statt von Profilen einfach von Identitäten spricht. An eine Identität sind in Chrome sehr viele Informationen geknüpft. Dazu gehören Website-Cookies, Browser-Verlauf, gespeicherte Passwörter, Apps und zahlreiche andere Dinge. Für den Otto-Normal-Nutzer reicht vermutlich sein Standardprofil. Aber es gibt Szenarien, in denen es von Vorteil sein kann, blitzschnell zwischen verschiedenen Identitäten wechseln zu können.

LEBEN IN ZWEI WELTEN

Ein Beispiel: Ein Anwender nutzt zuhause einen Computer, um seinen privaten Interessen nachzugehen. Ein Heim-Computer eben. Er besucht Webseiten, nutzt Webmail, guckt YouTube-Videos und kauft online ein. Um möglichst leicht auch auf seinem Zweitgerät, z.B. seinem Laptop, auf seine Browser-Daten zugreifen zu können, hat er sein Profil mit Google verbunden und synchronisiert so ziemlich alles, was es zu synchronisieren gibt.

Im Büro nutzt er ebenfalls Google Chrome. Da es ihm laut Betriebsvereinbarung erlaubt ist, den Firmen-Internetanschluss auch für private Zwecke zu nutzen, hat er die Google-Synchronisation auch hier aktiviert. Auf diese Weise hat er auch im Büro Zugriff auf seine zuhause angelegten Lesezeichen, Website-Passwörter usw.

Doch genau hier beginnen nun Komplikationen: In der Firma wird eine Webanwendung verwendet, um – sagen wir mal – kritische Daten zu verarbeiten. Diese Anwendung wird häufig benötigt, der Login-Name ist lang und das Passwort ist kompliziert. Da gerät man leicht in Versuchung, auch hier den „Passwort für diese Website speichern“-Button zu drücken. Doch nun vermischen sich private und geschäftliche Daten! Durch die Google-Synchronisation sind die Zugangsdaten nun auch zuhause am Privat-PC nutzbar. Wie steht es dort um die Sicherheit? Virenscanner installiert und aktuell? Ist das Netzwerk ausreichend geschützt? Erlaubt der Arbeitgeber überhaupt, sensible Geschäftsdaten „mit nach Hause“ zu nehmen? Schnell begibt man sich hier in Gefahr, Daten unbefugt weiter zu geben. Durch die Synchronisation sogar ins Ausland! Das eigene Profil wird verwässert.

DIE LÖSUNG: CHROME’s USER-PROFILE

Gehen wir vom Firmen-PC aus: Mit dem neuen Chrome nutzt man zunächst wie bisher ein Standardprofil. Über den Schraubenschlüssel-Button oben rechts und der Auswahl den Menüpunktes „Einstellungen“ gelangt man in die Chrome-Verwaltungsmenüs. Hier findet man unter „Privates“ den Bereich „Nutzer“.

privates

Klickt man nun auf die Schaltfläche „Neuen Nutzer hinzufügen“, springt sofort ein neues Chrome-Fenster auf. Damit ist das neue Profil bereits angelegt. Das Fenster kann zunächst jedoch erst mal wieder geschlossen werden. Der Name eines neuen Profils richtet sich nach dem zufällig gewählten Profil-Symbol.

neues-profil

Durch Doppelklick auf eines der User-Profile können Name und Logo angepasst werden.

eigenschaften

Sobald mehr als ein Profil existiert, zeigt der Chrome-Browser in der Menüleite den Menüpunkt „Nutzer“.

profil-wechseln

Hier kann schnell zwischen den vorhandenen Identitäten gewechselt werden. Zur besseren Orientierung wird das aktuelle Profil-Logo rechts oben im Fenster angezeigt.

CHOOSE BEFORE USE

Mit zwei Profilen („Privat“ und „Büro“) ausgestattet, fällt es nun leichter, Dienst und Schnaps voneinander zu trennen. Für gewöhnlich arbeitet man im Büro dann unter dem „Büro“-Profil. Man verzichtet auf die Google-Synchronisation und kann trotzdem seine Passwörter lokal speichern. Die Lesezeichen-Leiste enthält die für den geschäftlichen Alltag wichtigen Einträge.

Möchte man sich mal eine Pause gönnen und den Browser für private Zwecke nutzen, schaltet man über das Menü „Nutzer“ auf das „Privat“-Profil um. Hier darf Google-Sync aktiviert werden. Daraufhin erscheinen u.a. die privaten Lesezeichen und auch die Passwörter für WebMail & Co. sind wie zuhause nutzbar. Ist die Pause beendet, schaltet man wieder in den Büro-Modus um.

FAZIT

Den Security-Administrator dürfte dieses Feature sehr freuen. Am Schwierigsten wird es jedoch werden, den User an diese Vorgehensweise zu gewöhnen und ihn dazu zu bringen, die goldene Regel des „Choose-before-Use“ einzuhalten, um nicht inkonsequent zu handeln.

Mit dem neuen User-Profile-Manager erhält man schlussendlich ein tolles Werkzeug von Google, um sich selbst ein bisschen besser organisieren zu können. Leben muss man es dann allerdings selbst.